In den Händen liegt die Kamera – ein Interview mit Marco Riebler. Seit 2009 als selbständiger Fotograf tätig. Für uns: Ein Grenzgänger zwischen Fotografie und Journalismus mit ausgeprägter Leidenschaft zu gutem Essen.

Sie haben viele Köche fotografiert – Sie bekommen bestimmt viel zum Essen – wie viel wiegen Sie?

75 kg – wobei feines Essen schon eine große Leidenschaft von mir ist. Als Ausgleich schlüpfe ich hin und wieder in die Laufschuhe oder setze mich aufs Rennrad.

Was bedeutet es für Sie als Fotograf zu arbeiten?

Fotografie bedeutet mit einem anderen Blick durchs Leben zu gehen, sich aufs wesentliche zu fokussieren und die schönen Dinge ins richtige Licht zu rücken.

Portrait Marco Riebler

Das bedeutet Sie konzentrieren sich nur auf Oberflächlichkeit?

Keinesfalls – die kleinen Dinge, die sehr oft im Verborgenen liegen, gilt es in den Vordergrund zu holen und eine andere Sichtweise zu finden. In meinem Portfolio befinden sich hunderte von Portraits – umso besser man eine Person kennt – umso schöner werden diese.

2009
Editorial

Ihre Fotos finden sich sehr oft in Tageszeitungen und Magazinen. Strebt man als junger Fotograf nicht nach Distanz zur Pressefotografie und träumt von großen, internationalen Modelinien?

Klar träumt man von einer Serie in der Vogue. Pressefotografie ist oft negativ behaftet. Für mich steckt eine große Leidenschaft dahinter. Es gibt nichts Schöneres als eine gedruckte Zeitung. Durch mein Studium der Kommunikationswissenschaften habe ich eine andere Einstellung zur „Editorial-Fotografie“. Ich versuche mit meiner Fotografie einen bestimmten Stil in Zeitungen und Magazine zu bringen. Rezipienten entscheiden anhand des Fotos, ob ein Text gelesen wird oder nicht. Daher hat sich jeder journalistische Text auch ein hochqualitatives Foto verdient. Nur wenn Text, Layout und Bildsprache eine Harmonie ergeben, ist ein journalistisches Produkt ein Erfolgsprodukt.

Kommunikationswissenschaftler, vor allem aus dem amerikanischen Raum, prognostizieren schon lange ein Sterben der Zeitungen. Sollten Sie daher nicht auf einen anderen Bereich der Fotografie setzen um weiterhin Geld zu verdienen?

Vielleicht bin ich naiv – ich glaube an Qualitätsjournalismus. Wir leben in einer Informationsüberflutung und viele Menschen sehnen sich nach Ordnung. Die Inhalte der Zeitungen werden sich verändern. Die kommentierende Funktion im Journalismus wird immer wichtiger. Eine detailliere Recherche und Fakten-Checks gewinnen an Bedeutung.

Zeitung
Ads

Betrachtet man Ihre Website so befinden sich auf viele Werbesujets und PR-Projekte in Ihrem Portfolio.

Ganz genau. Werbefotos sind eine große Herausforderung und das macht irrsinnigen Spass. Umso überzeugter man selbst von einem Produkt ist, umso besser werden die Werbesujets. Ich versuche aber auch hier einen journalistischen Ansatz mit einfließen zu lassen und eine Geschichte mit den Fotos zu erzählen.

Zum Abschluss noch zum Thema Theater – was hat es damit auf sich?

Mein erster Job war eine Theaterproduktion. Mittlerweile hab ich über 100 Inszenierungen begleiten dürfen und liebe es wenn ich die Theaterbühnen betreten darf. Für mich ergeben sich die schönsten Motive im Theater. Kunst, Fotografie und Leidenschaft treffen im Theater aufeinander.

Theatre