„Rede über den Journalisten“

Eine geringe Anzahl an Fotografen sind Künstler. Peter Handke notierte: „Photographieren könnte auch ein Schreiben mit Licht sein. Und was ist es oft (geworden)? Ein Ab-Lichten“. Auch ich bin kein Künstler und bestimmt – viel zu beschränkt dafür. Ein Fotograf ist Marketingexperte und führt im Idealfall zum Lesen von journalistischen Texten oder zum Kauf eines Produktes. Ich sehe mich als Grenzgänger zwischen Journalismus, Fotografie und PR. Mein Herz schlägt für den Qualitätsjournalismus. Aus diesem Grund: Diese Zeilen.

Max Reinhardt. Seine Worte gelten als das Genialste, was über die schauspielerische Zunft jemals gesagt wurde. Die „Rede über den Schauspieler“, gehalten an der Columbia-Universität in New York (Februar 1928), diente als Inspiration für diese Zeilen.

Portrait Marco Riebler

„Qualitätsjournalisten ringen um ihr Leben.“ Nicht ausschließlich aus wirtschaftlicher Not, die allgemein ist. Es ist die fehlende Bereitschaft, intellektuelle Inhalte zu rezipieren. Es sind das mangelnde Wissen und die fehlende Routine im Umgang mit dem Format. Unterm Strich ist es auch ein bildungspolitisches Problem. Wir können all die Schuld der boulevardesken Kleinkariertheit aufwalzen und an der politischen Kampagnisierung des Boulevards verzweifeln.

Rede
ueber

Die Rettung kann nur von Qualitätsjournalisten kommen, denn ihnen und niemand anderem gehören die leeren Zeilen, die danach lechzen, mit Qualität gefüllt zu werden. Sie sind es, die nicht in die Schlagzeile, sondern in die Tiefe gehen. Sie dürfen und müssen unangenehm sein, jedoch wird das Unangenehme von Fairness und Sorgfalt untermauert. Meinungen bilden die Grundlage für Diskurse und laden zur Selbstreflexion ein. Die Kommentare und Leitartikel sind es, die Orientierung bieten und uns helfen, eine Einordnung zu finden. Es geht nicht um Quantität. Am Ende besteht die Hoffnung für eine qualitative Debatte.

Es geht nicht um Schnelligkeit. Es geht um Genauigkeit. Es sind die anderen Perspektiven. Es sind die besonderen Geschichten. Es sind die komplexen Sachverhalte, die verständlich werden.

den
Journa

Die Unabhängigkeit ist in Gefahr. Die wirtschaftliche Not und der Versuch der Instrumentalisierung sind es, die gefährden. Professionalisiertes journalistisches Handwerk ist die Alternative. Der intellektuelle Kern, der Inhalt, ist das Kapital. Die journalistische Opposition ist essentiell für politische Akteure und „Wirtschaftscäsare“. Den Rezipienten gilt die Verpflichtung. Der Qualitätsjournalismus ist es, der Teil einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft ist.

Es sind die Glücksmomente der Rezipienten, die Sinn machen. Das Lachen über ein Lead, die Freude über den anderen Einstieg. Es ist das Foto, das uns zum Text führt. Es ist der Moment, in dem man die Zeitung bei Seite legt, verbunden mit dem Gefühl des Mehrwerts aus der Rezeption. Es ist die Aneinanderreihung von Fakten, die aufklären und zum großen Ganzen führen. Es ist das uneingeschränkte Vertrauen zwischen Rezipienten und ihrem „Schreiber“. Es ist der Argumentationsvorteil im Diskurs. Es ist aber auch unsere Erziehung, die uns zur Qualität hinführen sollte. Es ist der Kampf gegen die Welle der Anstandslosigkeit und die Naivität der Hoffnung zum Besseren.

listen